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Ein sehr schön veredelter Scania-LKW

 

 

Berlin, 22.06.2014

 

In diesem Jahr nahm ich erneut an der oben genannten Veranstaltung teil und ich war zu Beginn gespannt, was mich denn erwarten würde. Zunächst begann es mit der Abholung vom Bahnhof in einem Audi A 5. Dessen Fahrer testete auf der Fahrt vom Bahnhof zum  Flugplatz Peenemünde einmal kurz die Beschleunigung des A 5 und alle Mitfahrer waren begeistert.

Da mein kurzfristig eingesprungener Begleiter Motorradfan war, gingen wir zunächst durch das Fahrerlager. Ich erblickte eine Triumph und der Fahrer sagte mir, er würde nachher mit dieser Maschine im Soziusbetrieb fahren. Ich merkte mir erst einmal die Form und wir gingen weiter durch das Fahrerlager und ich zeigte meinem Begleiter die  Rennstrecke. Auch ein sehr schön veredelter Scania-LKW der Firma  Lossau-Transporte erfreute mein Auge. Ich fragte vorsichtig, ob denn der Fahrer

anwesend sei, denn, ich würde gern einmal in die Kabine schauen. Man sagte mir zunächst, man wisse nicht, wann der Fahrer da sei, später korrigierte man diese Aussage mit den Worten: "Er kommt nach 15:00 Uhr." Danach bekam ich mit, dass der Veranstalter Hilfe beim Umräumen einiger Bänke und Tische in ein Zelt benötigte. Mein Begleiter und ich haben mit angefasst, um das Umräumen schnell hinter uns zu bringen. Es hat mir nichts ausgemacht, zu helfen. Nun entdeckte ich einen weiteren LKW, einen MAN TGX 18440 als Fahrschul-LKW. Als ich ihn sah, wünschte ich mir, dass ich mit ihm mal eine Runde fahren könne. Zunächst jedoch bestiegen mein Freund, mein filmender Begleiter und ich einen Skoda

Roomster mit einem Automatikgetriebe. Ich hatte den Eindruck, der Fahrlehrer hat zu schnell eingegriffen, insbesondere beim Lenken und beim Bremsen und Beschleunigen. Ich bin eigentlich bei solchen Sachen eher vorsichtig, aber, ich wollte versuchen, einen möglichst flüssigen Rhythmus für die  Rennstrecke zu finden.

Auch das Thema Empathie beherrschte der Fahrlehrer, der den Roomster fuhr, nicht. Ich erklärte ihm noch scherzhaft, ich würde mir die Rallye-WM-Übertragungen regelmäßig ansehen, bei den Finnen sähe das alles so flüssig aus. Aber, ich habe es mit ihm probiert und ich habe versucht, das Beste aus der

Situation zu machen. Ich gehe davon aus, dass er vielleicht einen schlechten Tag erwischt hat, es war aber sicherlich auch schwierig für die Fahrlehrer mit so vielen unterschiedlichen Charaktären umzugehen. Aber, ich hatte ja noch die Mission MAN-TGX-Fahren im Auge. Also stellte ich mich in der Schlange an. Ich habe leider Teilnehmer beobachtet, die sich aggressiv in dieser Situation verhielten. So etwas gehört sich nicht, finde ich zumindest, wenn man sich Träume erfüllen möchte. Da muss man eben manchmal Geduld aufbringen und warten. Ich wartete geduldig, bis ich die Kabine des MAN TGX 18440 entern konnte. Da ich auf der IAA Nutzfahrzeuge 2012 in  Hannover schon einmal in einem solchen LKW saß, waren mir die Bedienelemente vom Sehen vertraut. Nur die Handbremse ließ sich beim ersten Mal nicht lösen. Ich sagte Herrn Müller, er solle sie noch einmal anziehen, damit ich es beim zweiten Mal allein schaffe.

Das klappte dann auch Und nun erlebte ich mein Meisterstück in diesem Jahr. Der Fahrlehrer, Herr Müller, hat alles erklärt, er hat mir ermöglicht, die Steuerung der Schaltbefehle des kupplungslosen LKW-Getriebes mit der Nutzung des Gaspedals und der Betriebsbremse (Das ist die Fußbremse). soweit zu verstehen, dass ich gegen Ende der Rundedie Schaltstrategie des Getriebes soweit beeinflussen konnte, dass ich, ohne zu rucken, fahren konnte. Dann ließ mich Herr Müller im kleinsten Rückwärtsgang ein Stück gerade rückwärts fahren. Ich war mit meinem rechten Auge mehr auf den linken Außenspiegel fixiert als auf die Straße vor mir. Im Spiegel konnte ich trotz meiner Einäugigkeit noch etwas erkennen. Auch durfte ich allein bremsen, in dem ich zum einen die Fußbremse benutzte, zum anderen ließ mich Herr Müller die Benutzung der Motorbremse probieren. Auch den manuellen Schaltmodus des Getriebes, der über einen Hebel am Lenkrad eingestellt wurde, durfte ich kurz aus probieren. Erstaunlich für mich war nur, dass ich mit der Bremse und dem Gas die Macht über 440 PS hatte. Durch die Organisatoren in Peenemünde

lernte ich so schon zwei verschiedene Getriebe kennen, das Opticruse von Scania und das System von MAN, das von ZF stammt. Als ich abstieg, durfte ich noch kurz mit der

Fernbedienung die Verstellung der Luftfederung aus probieren. Das war sehr lehrreich und interessant für mich.

Zuletzt durfte ich noch einige Runden mit der am Morgen gesehenen Triumph als Sozius mit fahren. In der schnellsten Runde fuhren wir stellenweise 160 km/h, das ist aber nur eine Schätzung, die Maschine hatte keinen Tacho. Das war eine sehr schöne Erfahrung und ein schönes Gefühl. Auch mein sehender Begleiter fand es spannend, als Sozius mizufahren, allerdings fuhr er auf der 1000er Ducati mit.

 

Neben den Fahraktivitäten gab es viele andere schöne Dinge zu erleben. So durfte ich ein zahmes Frettchen streicheln und es gab eine Möglichkeit, im Dunkeln zu essen. Die konnte ich leider nicht wahr nehmen, aber, der Fahrer des Lossau-Scania war dann tatsächlich noch da und ich durfte seinen Supertruck von innen bestaunen. Besonders das Lenkrad, was man als Old School bezeichnet, viel mir positiv auf. Ich bin dann wohl nicht der einzige LKW-Verrückte. ich fühlte mich kurz an

den Transportunternehmer Schubert aus Bayern erinnert, dessen V-8-Scania auch ein Old-School-Lenkrad hat. Dabei hätte ich fast meinen Shuttle zum Bahnhof verpasst, aber, ich habe das Fahrzeug noch rechtzeitig erreicht.

Auf eine Sache möchte ich noch eingehen: Mich hat der älteste Teilnehmer mit 91 Jahren sehr beeindruckt, er bekam auch noch Blumen vom Veranstalter. Ich sagte zu ihm "Das ist ein Kinderspiel, das mit dem Fahren schaffen Sie schon."

Für die musikalische Untermalung sorgten ein Spielmannszug aus  Neubrandenburg und ein Discjockey, der mir namentlich leider nicht bekannt ist.

 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es sich für mich wieder einmal gelohnt hat, nach  Peenemünde zu kommen und ich würde  die Veranstaltung mit gutem Gewissen jedem weiter empfehlen, der blind oder sehbehindert ist.

Auch für körperlich eingeschränkte Menschen ist es eine gute

Gelegenheit, denn, sie können aus probieren und vielleicht trauen sie sich dann zu, einen Führerschein zu erwerben. Es ist mir bewusst, dass ich Grenzen in gewisser Weise überschreite, da ich ja wegen meiner Seh- und meiner Körperbehinderung nicht als Fahrzeugführer im öffentlichen Verkehrsraum teil nehmen darf, aber, ich finde es zum einen wichtig, dass man die Erfahrung mit Technik/Autos/Motorrädern auf

abgesperrtem Gelände machen kann, denn, das ist eine gute Schule für den Straßenverkehr. Man kann sich durch die eigene Erfahrung mit dem Fahren, Bremsen und Schalten auf dem abgesperrten Gelände besser in die realen Verkehrsprobleme der anderen Verkehrsteilnehmer hinein versetzen.

Dadurch werden meiner Ansicht nach Gefahren für mich und andere Verkehrsteilnehmer vermieden.

Abschließend möchte ich mich bei allen bedanken, die uns diesen Tag/dieses Event ermöglicht haben. Ich wünsche allen Organisatoren und Sponsoren alles Gute für die Zukunft.

 

Andreas Töpsch

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