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Ostsee Zeitung vom 28.07.2008

Vergessen geglaubte Gefühle

 

20 Fahrschulen aus Ostvorpommern ermöglichten am Sonnabend auf dem Peenemünder Flugplatz, Blinden und Sehschwachen am Steuer eines Pkw zu sitzen oder auf einem Motorrad mitfahren zu können. Die Aktion fand zum sechsten Mal statt.

Als Hartmut Reimann ihr die Tür seines Fahrschul-Pkw öffnet, zögert Sabine Duwe nicht. Sie nimmt ganz selbstverständlich auf dem Fahrersitz Platz – obwohl die Gützkowerin fast blind ist. An diesem Tag etwas Selbstverständliches, denn der Peenemünder Motorsportverein, die Polizeiinspektion Anklam und die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Ostvorpommern (ab 2011 Landkreis Vorpommern-Greifswald ) haben zum mittlerweile sechsten Mal zum Aktionstag eingeladen. Einem Tag, an dem Fahrlehrer und Motorrad-Piloten es Blinden und Sehbehinderten ermöglichen, nicht einfach nur Mitfahrer, sondern selbst Agierende sein zu können – entweder am Lenkrad eines Pkw an der Seite eines erfahrenen Fahrlehrers oder auf dem Soziussitz eines Motorrades.
Während Sabine Duwe den Wagen behutsam, doch zugleich zügig in Fahrt bringt, steht Ehemann Reinhard ganz gelassen am Rand des Geschehens. „Wir kennen diesen Aktionstag schon, sind nicht zum ersten Mal hier“, erklärt er die Unaufgeregtheit seiner Frau. Für den Stralsunder Bernd Schneider dagegen ist die bevorstehende Fahrt auf dem von Mirko Eckert gesteuerten Bike nach vielen Jahren eine aufregende Wiederbegegnung mit einem längst vergessen geglaubten Gefühl. „Ich bin vor vielen Jahren selbst Motorrad gefahren, deshalb weiß ich noch recht gut, wie ich mich als Sozius zu verhalten habe“, sagt er, während Eckert, seit einem Jahr Mitglied im Peenemünder Motorsportverein, aber schon einige Jahre länger mit seinem Bike vertraut, die Maschine startklar macht.
Die ersten Runden sind problemlos absolviert, so findet Vereinsvorsitzender Jürgen Quandt (†) Zeit, auf einige Hintergründe der diesjährigen Veranstaltung einzugehen. „Wie gut auch diesmal die Resonanz auf unsere Bitte zum Mitmachen war, wird daran deutlich, dass 20 Fahrschulen aus Ostvorpommern ebenso mit von der Partie sind wie acht Motorradfahrer.“ Dass die nicht alle aus dem Peenemünder Motorsportverein kommen, darauf weist Uwe Marek mit einer auf seine blaue, mit diversen Emblemen übersäte Weste deutenden Geste hin: „Drei Mitglieder der , Blue Knights ', eines Clubs Motorrad fahrender Polizisten, sind heute ebenfalls auf die Insel gekommen, um einen Beitrag für eine gute Sache zu leisten.“ In den Genuss dieser guten Sache kamen am Sonnabend auf der Piste des Peenemünder Flugplatzes immerhin 61 Frauen und Männer, denen ihre Blindheit oder erhebliche Sehschwäche ein derartiges Erlebnis sonst verwehrt. Neben den rund 20 an der Aktion beteiligten Vereinsmitgliedern sowie den anderen Helfern hat auch das Schweriner Bauministerium beigetragen, indem es 70 Prozent der Kosten der Veranstaltung übernahm. In einer Unterschriftensammlung protestierten Beteiligte und Gäste gegen die Absicht der Regierung, den Landeszuschuss zum Blindengeld zu kürzen.

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